Ein wenig erwartungsgemäß lässt auch die Power von „Rec“ mit dem dritten Teil deutlich nach und beschreitet neue Wege. Paco Plaza, der bereits bei beiden Vorgängern Regie führte, trennt sich nach 22 Minuten vom Stil der Handkamera-Bilder und beschreitet die konventionelle Sichtweise der allwissenden Kamera, - ein Fehler, wie sich rasch herausstellt.
Dabei ist die Grundidee, die Seuche während einer opulent angelegten Hochzeitsfeier ausbrechen zu lassen relativ clever: Clara und Koldo haben geheiratet, doch während der Feierlichkeiten fällt Onkel Pepe über ein Geländer und kurz darauf über die Gäste her. Innerhalb der Massenpanik wird das Brautpaar getrennt und muss sich gegen ein Heer blutrünstiger Infizierter behaupten…
Anfangs werden die Bilder durch die subjektive Kamera eines Hochzeitsgastes erzeugt, was durchaus authentisch erscheint und recht viele Figuren in Kurzform einführt. Während der Panik wird diese Kamera jedoch zerstört und das Geschehen in zwei parallel ablaufende Handlungsstränge aufgeteilt. Und ab da hat man es mit einem äußerst durchschnittlichen Zombiefilm ohne Höhepunkte zu tun.
Zwar sieht das Make-up nach wie vor hervorragend aus und auch einige Gewalteffekte wie Bisse, ein Stabmixer im Mund oder ein abgetrennter Unterarm kommen zum Einsatz, doch spätestens, als die wutentbrannte Braut zur Kettensäge greift, ist nicht mehr sicher, ob die Chose zur Hommage mutiert oder schlicht einige Klischees des Slashers demontiert werden sollen.
Das Tempo ist zwar okay, die meisten Mimen spielen passabel und der Score liefert Abwechslung, doch das Interieur verkommt zum austauschbaren Schauplatz mit Kriechen durch einen Luftschacht, einer Hatz im Tunnel und dem üblichen Verbarrikadieren. Viele vorhersehbare Szenen gehen mit der insgesamt erahnbaren Handlung einher, welche zum letzten Drittel mit einigen unsäglich kitschigen Dialogen aufwartet.
So ist aus dem einstigen Grusel im Mehrfamilienhaus ein austauschbarer Slasher mit Trash-Faktor geworden, der nur noch selten Suspense erzeugt und lediglich mit dem Ausgang zu überzeugen weiß. Für einen eventuellen vierten Teil sollte Plaza zu den Wurzeln zurückkehren und wieder Horror mit Handkamera auf engem Raum liefern, - da hat er ein besseres Gespür für, als Leute in austauschbarer Umgebung vor kaum bedrohlich wirkenden Infizierten fliehen zu lassen.
5 von 10